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Newsletter November / Dezember 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

sich offen für christliche Werte in der Gesellschaft aussprechen, „Flagge zeigen“ und dabei Mitmenschen anderer Glaubensrichtungen und Herkunftsländer einbeziehen  – das ist momentan ein großes Anliegen von kirchlichen Verbänden und Organisationen, aber auch für all jene Menschen, die aus christlichem Antrieb für andere einstehen. „Es ist an der Zeit, dass wir laut werden“, fordert der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose in seinem Buch „Seid laut“.

Wie Sie wissen, vertritt die Diakonie Schweinfurt in der öffentlichen Debatte um das Asylrecht und die Aufnahme von Flüchtlingen einen klaren Standpunkt. Sie sieht sich in der Pflicht, eine sich wandelnde Gesellschaft in Ihrer Integrations-Verantwortung zu unterstützen. In „Sieben Schweinfurter Sätze“ hat unser Vorstand, Pfarrer Jochen Keßler-Rosa, diese Position gefasst, als er mit Haupt- und Ehrenamtlichen über Grundsätze und Werthaltungen zum Thema Flucht, Asyl und Migration debattierte. Der fremdenfeindlichen Stimmung innerhalb der Gesellschaft etwas Positives entgegen setzen – das war und ist das Ziel.

Mittlerweile haben 400 Menschen unterzeichnet. Gehören Sie dazu? Falls nicht, möchte ich Sie animieren, sich an dieser Unterschriftenaktion noch zu beteiligen. Jede/r von Ihnen kann mir per Mail ihr/sein Einverständnis geben, dass Name, Wohnort und ggf. Funktion auf der Website veröffentlicht werden.Listen mit gesammelten Unterschriften bitte an:

haase@diakonie-schweinfurt.de oder postalisch an:


Diakonisches Werk Schweinfurt e.V.
c/o Frau Arwen Haase
An den Schanzen 6
97421 Schweinfurt

Die „Sieben Schweinfurter Sätze“ samt Unterschriftenliste können Sie im Internet abrufen unter:

www.soziale-dienste-schweinfurt.de/sieben-schweinfurter-saetze/ 



Die Maxime heißt Mitmenschlichkeit

Ein Kommentar von Matthias Seng


Als sich die deutsche Regierung vor mehr als drei Jahren dazu entschloss, die Augen und die Grenzen nicht vor der Not vieler Tausender geflüchteter Menschen zu verschließen und ihnen in unserem Land Zuflucht und Schutz zu gewähren, war das eine Sternstunde in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat die von vielen geschmähte „Willkommenskultur“ bestätigt.

„Ausländerkriminalität“, „Herrschaft des Unrechts“ und „Asyltourismus“ – das waren und sind beim Wählerfang gängige Schlagworte zum Thema und zu den vermeintlichen Gefahren, die von den Geflüchteten ausgehen. Leider wurden solche polemischen Begriffe auch von verantwortlichen Politikern in Bayern übernommen oder sogar geprägt, und das, obwohl die Staatsregierung viel Geld zur Verfügung gestellt hat, um den hier angekommenen Männern, Frauen und Kindern die Integration zu erleichtern.

Man kann Bayern in dieser Hinsicht sogar als Vorreiter bezeichnen, vor allem, was die Hilfsbereitschaft der Gesellschaft anbelangt. Gegen Widerstände aus der Politik und über alle Hürden hinweg, die von Ausländerbehörden und dem Bundesamt für Migration aufgestellt wurden und werden, erbringen Hunderttausende freiwilliger Helfer tagtäglich den Beweis, dass sich gesellschaftliches Engagement lohnt. Gemeinsam mit einer effektiven öffentlichen Verwaltung, in der viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Verstand und Herz arbeiten, konnte so im Herbst 2015 eine drohende humanitäre Katastrophe abgewendet und stattdessen eine Erfolgsgeschichte geschrieben werden.  Viele der aus ihrer Heimat geflüchteten Menschen sind tatsächlich in Deutschland und in Bayern angekommen. Sie arbeiten, befinden sich in Ausbildung oder absolvieren Integrationskurse, um die Sprache zu lernen und sich ein neues Leben fernab ihrer Heimat aufzubauen. Die Kinder besuchen Kindergärten und Schulen, die ersten jungen Leute studieren sogar. Und sie alle sind aus tiefem Herzen dankbar für das, was unsere Gesellschaft und unser Staat ihnen an Hilfe haben zukommen lassen.

Auf das bisher Geleistete können wir mit Fug und Recht stolz sein. Vor allem aber sollten wir nie vergessen, dass wir nicht „(Wirtschafts)-Flüchtlinge“, „Asylanten“ oder „Migranten“ vor uns haben, sondern Menschen, die ganz gewiss nicht freiwillig ihre Heimatländer verließen und die darauf vertrauen, dass sie von uns human behandelt werden. Wenn wir an dieser Maxime festhalten, wird auch unsere Gesellschaft eine im besten Sinne menschliche bleiben.

Ihr Matthias Seng 
Matthias Seng koordiniert den Helferkreis in Gerolzhofen und hat gemeinsam mit unserem Vorstand und der Leitung der Sozialen Dienste „Die Sieben Schweinfurter Sätze“ verfasst.
 

Veranstaltungshinweise

Montag, 26.11.18, 17:30-19:00 Uhr
: Mehrgenerationenhaus Schweinfurt: Infoabend für Integrationsbegleiter*innen
Ort: Mehrgenerationenhaus Schweinfurt, Markt 51, Schweinfurt

Montag, 3.12.18, 18:30-20.30 Uhr: Ehrenamtsakademie: Neues rund um das Asylrecht
Ort: Diakonisches Werk, großer Saal, Gymnasiumstr. 16, 3. Stock, SW

Samstag, 8.12.18 Adventsbasar von 12-16 Uhr
Ort: Mehrgenerationenhaus Schweinfurt, Markt 51, Schweinfurt
 

Themen
  • Bayerisches Familiengeld
  • Neues Elternbildungsangebot „ELTERNTALK“
  • Mieten & Wohnen
  • Abschiebungen nach Afghanistan und Nigeria
  • Tabu-Thema Analphabetismus
  • Im Porträt: Beraterin Luisa Mühlstein

Bayerisches Familiengeld soll einkommensschwache Familien entlasten
von Luisa Mühlstein

Ab 1. September 2018 erhalten Eltern von kleinen Kindern finanzielle Unterstützung durch das Bayerische Familiengeld. Für jedes Kind vom 13. bis zum 36. Lebensmonat gewährt der Freistaat  250 Euro pro Monat. Ab dem dritten Kind werden 300 Euro pro Monat gezahlt. Diese Leistung ist für alle Familien bestimmt, unabhängig von Einkommen oder  Erwerbstätigkeit. Familiengeld kann auch bezogen werden, wenn das Kind eine Kindertageseinrichtung besucht. Profitieren sollen einkommensschwächere Familien mit kleinen Kindern und mehreren Kindern. Wer in Bayern Elterngeld beantragt und bewilligt erhalten hat, muss keinen Antrag stellen.


Bisher kamen die bayerische Staatsregierung und das Bundessozialministerium zu keiner Einigung, ob das Familiengeld auf SGB II Leistungen angerechnet werden muss  oder nicht. Im Gegensatz zum Freistaat  wertet der Bund das Familiengeld als zusätzliches Einkommen, das bei Hartz IV berücksichtig wird. Für die Auszahlung des Familiengelds ist die Bayreuther Landesbehörde zuständig. ALG II – Leistungen werden von den Jobcentern ausgezahlt. In Schweinfurt wurde die Situation nun noch etwas komplizierter:Das Jobcenter Schweinfurt Stadt ist mit weiteren zehn Optionskommunen in Bayern der bayerischen Staatsregierung unterstellt und rechnet deshalb das Familiengeld nicht als Einkommen an.

Das Jobcenter Landkreis Schweinfurt ist hingegen dem Bundesministerium zugeordnet und besteht auf einer Anrechnung. Somit kommt es zu einer Ungleichbehandlung von Familien in ALG II-Bezug in Landkreis und Stadt Schweinfurt. Die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie Schweinfurt unterstützt beim Einlegen eines Widerspruchs, wenn das Familiengeld durch das Jobcenter angerechnet wird. Für Familien mit Kindern im Alter bis drei Jahren ist die Schwangerenberatung Schweinfurt zuständig.

Bei Fragen rund um das Familiengeld erreichen Sie das Servicetelefon des ZBFS unter 0931- 32090929 von Montag bis Donnerstag von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr und freitags von 8:00 Uhr bis 12:00 Uhr oder kontaktieren unsere Beraterin Luisa Mühlstein:
Tel.: 09721 – 2087-401
E-Mail: muehlstein.l@diakonie-schweinfurt.de



Welche Erfahrungen machen andere Eltern?“
von Kerstin Stauch


Im Rahmen der offenen Gesprächsrunde „ELTERNTALK“ tauschen sich Gleichgesinnte aus

„Wie gehen die anderen damit um?“ Diese Frage gehört zum Alltag einer Mutter oder eines Vaters. Jeden Abend kommt Protest, wenn es heißt: „Kinder, es ist Schlafenszeit.“ Verlockend sind auch die unzähligen Computer- und Konsolenspiele oder Filme. Hausaufgaben? Die können doch später erledigt werden.


Erziehung ist manchmal ganz schön anstrengend. Ein offener Austausch mit Gleichgesinnten - anderen Eltern, die dieselben Probleme haben - kann hilfreiche Tipps bringen und bei vielen Problemen helfen.Das alles bietet „ELTERNTALK“, ein neues Projekt der Aktion Jugendschutz. Die Standortpartner, das Diakonische Werk Schweinfurt e. V. und das Landratsamt Schweinfurt (Amt für Jugend und Familie), haben Susanne Bartsch und Kerstin Stauch als pädagogische Fachkräfte beauftragt. Sie fungieren als Ansprechpartnerinnen aller Teilnehmenden und suchen noch nach geeigneten Moderator*innen. Gefördert wird das Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sowie das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Die Gesprächsrunden werden voraussichtlich auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Aserbaidschanisch, Somali, Kurdisch, und Persisch geführt. Haben Sie Interesse, an einer Gesprächsrunde teilzunehmen oder Moderator*in zu werden?

Dann kontaktieren Sie bitte eine der beiden Regionalbeauftragten, Susanne Bartsch oder Kerstin Stauch.
Susanne Bartsch Tel.:0157 – 39 42 77 92
E-Mail: bartsch@diakonie-schweinfurt.de

Kerstin StauchTel.:0151 – 22 28 79 97

E-Mail: stauch.k@diakonie-schweinfurt.de

Bild: Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V.


Wenn Mieten und Wohnen zum Problem wird

von Antje Dekkers
 
Foto: RainerSturm / pixelio.de


„Die Wohnungsnot ist zu der sozialen Frage schlechthin in Deutschland geworden“, schreibt Thomas Öchsner in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung. Das Ergebnis einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie: in den 77 deutschen Großstädten fehlen 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen. Die Kosten für die Brutto-Kaltmiete sollte inklusive aller Sozialleistungen 30 Prozent des Haushaltseinkommens nicht übersteigen. Sind die Mietkosten überhöht, rät das Jobcenter, die Energiekosten zu senken oder sich eine neue Wohnung zu suchen. Eine neue Bleibe zu finden, ist allerdings auch auf dem Schweinfurter Mietmarkt ein schwieriges Unterfangen. Einige unserer Klienten sind von Obdachlosigkeit bedroht, weil sie ihre alte Wohnung gekündigt haben, aber keine neue finden. Unseren Neubürger*innen ist oft nicht klar, dass sie ihren Anspruch auf Wohnraum in der Gemeinschaftsunterkunft verlieren, sofern sie in einem privaten Mietverhältnis gelebt haben. Welchen Rat können Sie geben, wenn jemand obdachlos wird? Zunächst einmal sollte sich die / der Betroffene bei der Gemeinde melden, da diese zuständig ist für die Unterbringung. Die Wohnsitzzuweisung sollte er / sie unbedingt beachten. Auf Antrag kann diese unter Umständen aufgehoben werden. Ohne Meldeadresse besteht kein Anspruch auf Leistungen vom Jobcenter, auch keine Krankenversicherung Kündigt der Vermieter das Wohnverhältnis oder behält die Kaution ein, raten wir, zu prüfen, ob die Kündigung rechtmäßig ist. Die Beraterinnen und Berater der Diakonie unterstützen in allen Fragen. Juristische Unterstützung erhalten Mieter beim Mieterverein, Spitalseeplatz 6 in Schweinfurt. Tel.: 09721/21109

Tipps für Wohnungssuchende

Wohnungssuchende sollten von einer passiven in eine aktive Suche kommen. Melden sie sich auf eine Anzeige, treten sie in Konkurrenz mit einer Schar von Mitbewerber*innen. Sofern sich Mietinteressent*innen stattdessen in die Wohnungsbörse der Diakonie eintragen, bei Wohnungsbaugenossenschaften anmelden oder selbst eine Anzeige aufgeben, erhöhen sie ihre Chance, eine geeignete Bleibe im verdeckten Markt aufzuspüren. Hilfreich sind auch Netzwerke (bspw. Vereine), über die Informationen zu frei werdenden Mietwohnungen ausgetauscht werden. Das Sozialamt stellt Geringverdienenden einen Wohnberechtigungsschein aus. Ein Anruf als Reaktion auf eine Wohnungsanzeige ist persönlicher als eine E-Mail. Im Gespräch kann eine Bewerberin oder ein Bewerber Sympathiepunkte erzielen und auch persönliche Informationen preisgeben. Manchmal ist die Situation nur durch einen Kompromiss zu ändern. Statt dem Studio mit Balkon zieht man erst mal in eine Wohngemeinschaft oder mietet eine Bleibe, die den Ansprüchen nicht ganz gerecht wird und sucht sich ohne Druck eine andere Wohnung.

Harmonisches Leben in der Hausgemeinschaft Hausordnung befolgen, Ruhezeiten einhalten und die Mülltrennung ernst nehmen – das sind Kriterien, mit denen die neue Mieterin / der neue Mieter kundtut, dass sie / er sich in die Hausgemeinschaft integrieren will. Zu diesem Thema haben Mitarbeiterinnen der Diakonie eine Mieter-Mappe erstellt, aber auch innerhalb eines Beratungsgesprächs gibt es praktische Tipps.
Erscheint die Nebenkostenabrechnung zu hoch, kann ein Termin bei der Energieberatung der Diakonie helfen.

Weitere Informationen finden Sie hier: Arbeitskreis Wohnen, Koordination Wohnungsbörse

Antje Dekkers, Tel: 09721 – 2087-403
E-Mail: dekkers@diakonie-schweinfurt.de

Energieberatung der Diakonie
Catrin Sauer, Tel. 09721-2087-102
E-Mail: sauer@diakonie-schweinfurt.de

Quellen: www.sueddeutsche.de/wirtschaft/soziale-frage-das-wahre-problem-der-nation-heisst-wohnungsnot-1.4061291

www.boeckler.de/112132_113590.htm WDRforyou: Infos für Flüchtlinge und Helfer in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Arabisch, Persisch)
 
Abschiebungen nach Afghanistan
von Antje Dekkers       

Nach Angaben des Bayerischen Flüchtlingsrates hat es seit Dezember 2016  fast monatlich Abschiebe-Charter von Deutschland nach Afghanistan gegeben. Allen rechtskräfig abgelehnten Personen aus Afghanistan empfehlt der Bayerische Flüchtlingsrat, eine Beratungsstelle aufzusuchen oder ihren Fall juristisch überprüfen zu lassen. Ein Großteil der Personen stammt aus Bayern. Von Abschiebung bedroht sind nicht ausschließlich Afghan*innen, die ihre wahre Identität nicht preisgeben wollen, eine Straftat begangen haben oder als Gefährder eingestuft sind. Es sind Menschen, die seit Jahren in Deutschland leben, eine Arbeit haben oder eine Ausbildung absolvieren.

Mit dem Nachweis einer Arbeitsstelle seien Afghan*innen nicht vor einer Abschiebung gefeit, aber Pro Asyl verweist darauf, dass sie damit ihre gelungene Integration nachweisen können. Dies kann Härtefallanträge oder Bleiberecht positiv beeinflussen. Die Beunruhigung bei unseren afghanischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ist allgemein groß, obwohl ein Teil von ihnen nicht bedroht ist von Abschiebung. Diese Personengruppen gilt es zu beruhigen. Nicht betroffen sind: anerkannte Flüchtlinge,  subsidiär Geschützte oder Personen mit Abschiebungsverbot, Asylsuchende im laufenden Verfahren, im Erstverfahren abgelehnte Asylsuchende, die entweder gegen den Bescheid geklagt haben oder ein negatives Urteil erhalten haben, gegen das ein Berufungszulassungsantrag gestellt wurde, unbegleitete Minderjährige oder in einer Jugendhilfeeinrichtung lebende Personen, Familien und Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern, alleinstehende Frauen.

Gut integrierten Jugendlichen und Heranwachsenden erteilt die Ausländerbehörde nach § 25a AufenthG eine Aufenthaltsgenehmigung, wenn sie seit vier Jahren ununterbrochen, erlaubt, geduldet oder mit Aufenthaltsgestattung in Deutschland gelebt haben. Über vier Jahre lang muss eine Schule besucht worden sein (Mittelschule ist ausreichend) oder oder ein anerkannter Schul- oder Berufsabschluss erzielt worden sein.Eine Arbeitserlaubnis, Ausbildungsduldung mit anschließender Arbeitserlaubnis zu erhalten, wird zunehmend schwieriger. Der Antrag muss zwischen 14 Jahren und vor Vollendung des 21. Lebensjahres gestellt worden sein. Straftaten dürfen nicht vorliegen.

Quellen:
www.fluechtlingsrat-bayern.de/abschiebungen-nach-afghanistan.html
www.proasyl.de/news/abschiebungen-nach-afghanistan-bleibeperspektiven-nutzen/
Newsletter 27.08.2018 Kanzlei Herrmann/Haubner/Schank, Passau.


Tabu-Thema Analphabetismus betrifft Millionen Erwachsene

Mehrgenerationenhäuser Schweinfurt und Schwebheim unterstützen Betroffene
von Luisa Mühlstein

Der Enkelin endlich etwas vorlesen können, einen Einkaufszettel schreiben, den Busfahrplan entziffern - Wünsche, deren Erfüllung, für manche Menschen in weite Ferne gerückt sind.Trotz Schulbesuch - oft sogar mit erfolgreichem Abschluss – gibt es Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können. Laut einer Studie der Uni Hamburg aus dem Jahr 2011 handelt es sich dabei in Deutschland um 7,5 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren. Ihre  schriftsprachlichen Fähigkeiten reichen nicht aus, um die gesellschaftlichen Anforderungen zu erfüllen. Als funktionalen  Analphabetismus bezeichnet man das. Fragt man nach den Ursachen, stellt sich heraus, dass oft verschiedene Faktoren zusammenwirken. Häufig spielen ungünstige familiäre und soziale Bedingungen eine Rolle. Mögliche Gründe, warum ein Kind während der Schulzeit nicht richtig lesen und schreiben lernt, können soziale Schwierigkeiten im häuslichen Umfeld sein, Überforderung der Eltern, Vernachlässigung oder Krankheit in der Familie. Ebenso gibt es im schulischen Bereich Umstände, die funktionalen Analphabetismus befördern. Hierzu zählen beispielsweise  eine unzureichende Förderung durch die Lehrkraft, zu große Klassen, Mobbing oder auch negative Lernerfahrungen. Aber auch lange Fehlzeiten aufgrund von Krankheit können bewirken, dass ein schulpflichtiges Kind den Anschluss im Unterricht verpasst.

Scham der Betroffenen verhindert Aufarbeitung der Probleme

Betroffene werden im Alltag immer wieder vor große Probleme gestellt, da ganz selbstverständlich von unserer Gesellschaft verlangt wird, über entsprechende schriftsprachliche Fähigkeiten zu verfügen. Doch zu seinen Schwierigkeiten zu stehen und um Unterstützung zu bitten, bedeutet eine enorme Hürde und erfordert viel Mut. So gilt funktionaler Analphabetismus noch immer als Tabuthema und bewirkt, dass Betroffene ihre Schwierigkeiten kaschieren und  nicht die passende Hilfe erhalten.Die Mehrgenerationenhäuser Schweinfurt und Schwebheim wollen dem entgegenwirken und dazu beitragen, für dieses Thema zu sensibilisieren und Betroffene zu unterstützen. Aus diesem Grund wurde die Infothek „Lesen – Schreiben – Rechnen“  ins Leben gerufen. Dieses offene und kostenlose Angebot findet donnerstags von 16 bis 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus Schwebheim und freitags von 10 bis 12 Uhr im Mehrgenerationenhaus Schweinfurt statt.  Hier erfahren Betroffene, Angehörige, Interessierte und auch Arbeitgeber alles zum Thema Lesen, Schreiben und Rechnen lernen für Erwachsene.

Luisa Mühlstein ist für die Infothek zuständig und steht unter 0162 / 7915757 oder muehlstein.l@diakonie-schweinfurt.de gerne zur Verfügung.

Internes
Im Porträt: Luisa Mühlstein

Nach dem Studium der Sozialen Arbeit in Coburg hat Luisa Mühlstein im Juli 2012 ihre Arbeit beim Diakonischen Werk Schweinfurt aufgenommen. Bisher war sie im Sozialpsychiatrischen Dienst Bad Kissingen beschäftigt und hatte dort auch die Koordinierungsstelle des Betreuten Wohnens für psychisch kranke Menschen inne. Im Mai wechselte sie in die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit in Schweinfurt. Außerdem ist sie für den Sonderschwerpunkt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen bei Erwachsenen“ in den Mehrgenerationenhäusern Schweinfurt und Schwebheim zuständig.

Wenn Sie diese E-Mail (an: mager@diakonie-schweinfurt.de) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Diakonisches Werk Schweinfurt e. V.
Arwen Haase
An den Schanzen 6
97421 Schweinfurt
Deutschland

097212087441